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Aktuell  10.12.2022

Kann Sono noch starten?

Sono Motors wollte schon lange mit nachhaltigen Autos und einem neuen Konzept der Vermarktung durchstarten. Es sieht immer weniger überhaupt nach einem Start für Sono aus.

Nicht jedes Unternehmen, das in einer Garage startet, muss eine Erfolgsgeschichte schreiben. Sono Motors entstand vor sechs Jahren in einer Garage im hessischen Karben, als die jungen Gründer Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians einen ersten Prototyp des später Sion getauften Elektromobils entwickelten, bei dem ein Solardach die Batterie unterstützte. Inzwischen ist das Unternehmen in München angesiedelt und an der New Yorker Nasdaq-Börse registriert.

Die Produktion des Serienmodells war in dem ehemaligen Saab-Werk in Göteborg geplant. Ob dort allerdings jemals ein Sion vom Band laufen wird, ist – wieder einmal alles andere als sicher. „Wir haben es nicht geschafft, genügend Geld einzusammeln und Investoren zu erklären, warum die Welt den Sion braucht und dass es eine große Nachfrage nach ihm gibt“, teilen Laurin Hahn und Jona Christians jetzt ihren Unterstützern mit und bitten um weitere Millionen.

Sono Motors hat sich in den vergangenen Jahren vor allem über Crowdfunding-Kampagnen finanziert. „Was wir jetzt brauchen ist euer Bekenntnis zum Sion und, ja, eine Menge Geld.“ Konkret sollen bis Ende Januar 3500 Kunden gefunden werden, die einen ermäßigten Preis von 27.000 Euro vorab für ihren Sion an das Unternehmen überweisen, um die fehlenden Millionen einzusammeln, sodass Anfang 2024 die Serienproduktion starten kann. Ursprünglich war der Produktionsbeginn bereits für 2019 geplant.

Aus dem Garagen-Unternehmen ist in den vergangenen Jahren ein vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifizierter Hersteller geworden, der nach eigenen Angaben beim Börsengang an der US-amerikanische Nasdaq-Börse mehr als 264 Millionen eingesammelt hatte. In der Mitteilung zeigen sich die Gründer durchaus selbstkritisch. „Wir haben die Kosten, den Zeitplan und die Komplexität in bestimmten Details unterschätzt“, und außerdem veranlasst die „Angst vor einer bevorstehenden Rezession die meisten Investoren dazu, keine Risiken einzugehen.“

Die finanziellen Probleme des Unternehmens sind für die Sono-Gemeinde nicht neu. Bereits 2019 wurden die Unterstützer des Start-ups um Zuwendungen gebeten, weil es dem Unternehmen nicht gelungen war, über den üblichen Weg der Finanzierung an die erforderlichen Mittel zu gelangen. Die potenziellen Investoren wollten sich damals die Rechte an den Patenten sichern, und das kam für die Gründer nicht in Frage. Eine Crowdfunding-Kampagne spülte damals mehr als 50 Millionen Euro in die Kassen von Sono Motors.

Auch dieses Mal wollen die Gründer nicht den offensichtlichen Weg gehen und sich von dem Projekt Sion verabschieden. „Die logische Konsequenz wäre jetzt zu sagen, wir stoppen das Projekt Sion und konzentrieren uns komplett auf unser Solargeschäft.“ Sono liefert inzwischen auch Solareinrichtungen für schwere Nutzfahrzeuge und Busse und ist in diesem Segment erfolgreich unterwegs. Das würde allerdings einen radikalen Kurswechsel und das Ende des Sion bedeuten. „Aber das kann nicht unser Weg sein, denn wir glauben noch immer fest an den Sion,“ beschwören Hahn und Christians die Sion-Gemeinschaft. „Jeder Euro zählt. Wir glauben, dass wir so in der Lage sind, neue Investoren zu finden und die verbleibenden Maschinen, Werkzeuge sowie den Aufbau der Produktion zu bezahlen.“

Das klingt alles ziemlich verzweifelt. Angesichts der unsicheren finanziellen Zukunft verhängte das Unternehmen bereits im vergangenen Monat einen Einstellungsstopp. Im Bericht für das dritte Quartal 2022 rechnete Sono trotz eines Verlustes von 104 Millionen Euro in den ersten neun Monaten mit einer sonnigen Zukunft. 21.000 feste Reservierungen und 22.000 Vorbestellungen von Flottenbetreibern lagen, so Hahn, vor, und die US-Tour mit dem Sion war erfolgreich gelaufen. Stolz zeigte Hahn bei der Videokonferenz einen Sion vor der Golden Gate Bridge. Gleichzeitig konnte die Solar-Abteilung eine Reihe von neuen Kunden gewinnen. Doch offensichtlich reichte das nicht, um die Investitionen in den Serienstart zu garantieren.

Der Sion ist ein kompaktes E-Mobil, dessen 120 kW (163 PS) starker Elektromotor von in die Karosserie integrierten Solarpanelen unterstützt wird, die eine zusätzliche Reichweite von 34 Kilometern erzeugen sollen. Zwischen Null und 100 km/h sollen weniger als neun Sekunden vergehen, und bei 140 km/h ist die maximale Geschwindigkeit erreicht. Als Reichweite verspricht Sono Motors 255 Kilometer (gemessen nach WLTP). Die Ladezeit liegt je nach Ladeleistung zwischen einer halben Stunde und bis zu 3,5 Stunden. Der ursprünglich anvisierte Preis von 20.000 bis 25.000 Euro ist inzwischen auf 29.900 Euro gestiegen.

ampnet/wuttke/red

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#Sono #Elektroautos #Startup



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