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Marken & Modelle  12.10.2022

Hyundai Ioniq 6 im Test

Hyundai geht seinen eigenen Weg: Im Gegensatz zu manchen deutschen und US-amerikanischen Herstellern haben die Koreaner darauf verzichtet, klassische Antriebe in Bausch und Bogen zu verdammen.

Und dennoch steht die Elektromobilität mittlerweile im Zentrum der Entwicklung. Das beste Beispiel dafür ist die E-GMP-Architektur, die jetzt mit dem Ioniq 6 ihre wohl schönste Ausprägung findet.

Abgeleitet von der Studie Prophecy von 2020 präsentiert sich der Ioniq 6 von geradezu berückender Ästhetik. Die Mannschaft um Designer Simon Loasby hat eine Fließhecklimousine geschaffen, die von den frühen Stromlinien-Modellen inspiriert ist, vielleicht auch vom Citroen DS und ganz sicher vom Saab 92, der einst die aerodynamischen Erkenntnisse der Luftfahrt in den Automobilbau übertrug. Dabei ist es Hyundai gelungen, die spezifischen Herausforderungen einer elektrischen Plattform perfekt zu kaschieren, insbesondere die Bauhöhe. Das funktioniert besonders gut mit der Kontrastlackierung. Am Heck gibt es einen klassischen Kofferraum anstatt einer großen Heckklappe. Davon profitiert das Fugenbild, aber auch die Dachlinie: Die für eine große Heckklappe notwendigen Scharniere hätten im Interesse der Kopffreiheit zu einer höheren Dachlinie geführt.





Der starre, durch einen horizontalen Lichtbalken akzentuierte Spoiler ist ein Kompromiss, aber ein elektrisch ausfahrbarer Spoiler hätte die Kostenvorgaben gesprengt. So sorgt er für einen dezidiert sportlichen Look, zu dem auch der große Heckdiffusor beiträgt. Unter der Fronthaube steckt ein Ablagefach. Mit 461 Zentimetern Länge, 186 Zentimetern Breite und 148 Zentimetern Höhe bei einem Radstand von 274 Zentimetern liegt der Ioniq 6 mitten in der oberen Mittelklasse.

Das Interieur wirkt extrem modern. Hier stechen die großen Bildschirme für die kamerabasierten Außenspiegel hervor, aber auch die hohe und flache Mittelkonsole, auf der sich problemlos ein tragbarer Rechner plazieren lässt. Die Türtaschen sind aus halbtransparentem Kunststoff gefertigt, die Ambientebeleuchtung sorgt für eine geradezu surreale Lichtinszenierung. Die Fensterheberschalter sitzen in der Mittelkonsole – das passt so.

Übrigens verzichtet er auf ein Markenlogo im Lenkrad; dort findet sich statt dessen eine Ladeanzeige. Ein Zeichen dafür, wie selbstbewusst die Koreaner mittlerweile geworden sind. Ein rahmenloser Innenspiegel würde dem Gesamtambiente allerdings gut tun, und die Infotainmentdarstellung dürfte durchaus etwas aufregender gestaltet sein.



Die mehrstündige Ausfahrt von Seoul in die Berge nahe der innerkoreanischen Grenze zeigt den Reifegrad von Fahrzeug und Plattform. Wir sind das aktuelle Spitzenmodell mit Allradantrieb und 239 kW (325 PS) Leistung und 605 Newtonmetern Drehmoment gefahren. Damit beschleunigt der Ioniq 6 so ansatzlos wie druckvoll; Überholmanöver werden zur Formsache, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert nur 5,1 Sekunden. Das Fahrwerk kommt mit der Leistung gut klar, bleibt trotz der 20-Zoll-Räder komfortabel und im Grenzbereich lange neutral. Die Lenkung könnte etwas mehr Rückmeldung geben; sie dürfte für den europäischen Markt noch einmal überarbeitet werden.

Es gibt auch Varianten mit Hinterradantrieb; das Einstiegsmodell für Korea leistet 110 kW (150 PS), darüber rangiert eine Version mit größerer Batterie und 168 kW (229 PS). Diese Version schafft im Zyklus stolze 614 Kilometer Reichweite. Das ist auch ein Triumph der Aerodynamik: Mit einem cw-Wert von 0,21 gehört der Ioniq zur Weltspitze. Zum Vergleich: Der Ioniq 5 schafft mit einem cw-Wert von 0,29 nur 507 Kilometer Reichweite, und die Differenz geht fast ausschließlich auf das Konto der Stromlinie.

Auf dem Markt konkurriert der Ioniq 6 mit Modellen wie dem Polestar 2 und dem Tesla Model 3. Beiden hat er viele futuristische Features voraus, dem Tesla zudem die vermutlich deutlich bessere Zuverlässigkeit. Die Preise für den Hyundai Ioniq 6 dürften bei unter 60.000 Euro beginnen.

ampnet/red

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#Hyundai #Elektroauto #Test #SUV #ioniq



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