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Unternehmen  28.11.2017 (Archiv)

Tesla - gehts noch?

Die Zeichen stehen auf Sturm. Elektroauto-Produzent Tesla mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien, verliert in großem Stil fortlaufend Unsummen an Geld. Genau genommen 480 000 Dollar (ca. 403 000 Euro) in der Stunde, also 8000 Dollar pro Minute.

Das rechnete jetzt die renommierte Finanzagentur Bloomberg aus. „Böse Zungen würden behaupten“, so spottete daraufhin die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“, „dass Tesla mit seinen Elektroautos zwar kein Benzin verbrennt, dafür aber das Geld der Investoren.“ Weiter hieß es: „Nach seriösen Berechnungen dürften die Cashreserven von Tesla am 6. August 2018 aufgebraucht sein, wenn die Geldvernichtung in gleichem Tempo weitergeht.“ Und dann?

Es wäre nicht das erste Mal, dass Tesla-Chef Elon Musk in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geraten würde. So trieben den zuvor vielfachen Milliardär 2008 die missglückten ersten Starts der Raketen seines Raumfahrtunternehmens SpaceX um ein Haar in den Ruin. Dreimal gingen die Versuche schief. Kurz zuvor waren bei Entwicklung und Produktion des ersten Tesla Roadster elementare Probleme in puncto Getriebe, Qualität und Produktion aufgetreten. Liefertermine platzten. Nach zwei Katastrophen gleichzeitig gab es plötzlich Schwierigkeiten bei den Gehaltszahlungen. Die Situation besserte sich erst, als es SpaceX als erstem privaten Unternehmen gelang, Fracht zur Internationalen Raumstation zu bringen und die Kapsel heil zur Erde zurückzubringen.

Geschichte wiederholt sich offenbar. Auch jetzt lösen sich Auslieferungstermine in Luft auf, diesmal für das neue Mittelklassefahrzeug Model 3. Alle Vierteljahre geht bei Tesla rund eine Milliarde Dollar bei dem Unterfangen flöten, das bestehende Geschäft fortzusetzen und die Produktion des jüngsten Modells auf die versprochene Höhe zu katapultieren. Doch statt bis zum Ende 2017 mindestens 5000 Exemplare davon vom Stapel zu lassen, waren es im dritten Quartal nur 260, Musk hatte 1500 angekündigt. Nun, so heißt es, würde das Ziel im ersten Quartal des kommenden Jahres erreicht. Die halbe Million Kunden, die schon Vorbestellungen eingereicht und Anzahlungen geleistet haben, werden sich wohl noch eine ganze Weile gedulden müssen.

Doch immer dann, wenn es eng wird, ergreift Musk die Flucht nach vorn und setzt atemberaubende Versprechungen in die Welt, die von Superlativen nur so strotzen. Als zum Beispiel 2012 die Fertigung des Model S ins Stolpern geriet und erhebliche Qualitätsprobleme auftraten, schaltete er in den Großmaulmodus um und verkündete, Tesla zum profitabelsten Autohersteller der Welt mit höheren Gewinnmargen als zum Beispiel BMW machen zu wollen.

Offenbar ist Elon Musk jetzt endgültig auf dem Weg zum Donald Trump im Silicon Valley. Denn fünf Jahre später lud er zu einer Präsentation nach Hawthorne im US-Bundesstaat Kalifornien ins Tesla-Design-Center ein, wo er mit großem Tamtam ganz im Stil seines Vorbilds Steve Jobs, dem Gründer des Computer-Riesen Apple, zwei Neuigkeiten vorstellte: einen elektrisch betriebenen Sattelschlepper mit vier Motoren, der auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen würde. Produktionsbeginn 2019, Preis 180 000 Dollar, Anzahlung 20 000 Dollar. Außerdem werde es 2020 einen neuen Tesla Roadster geben, der eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in zwei Sekunden schaffen werde. Also 0,2 Sekunden schneller als der Porsche 919 Hybrid mit seinen 900 PS, der kürzlich Sieger der Langstrecken-Weltmeisterschaft wurde. Bestellungen für die 250 000-Dollar-Gründer-Edition des Sportwagens nimmt Tesla schon jetzt entgegen, und es gibt nur 1000 Reservierungen für das Fahrzeug. Jeder Käufer muss die 250 000 US-Dollar vorab zahlen, um seinen Platz zu reservieren.

Doch mittlerweile lassen sich weder Auto- noch Finanzexperten blenden. Die Wirtschaftsplattform Business Insider schrieb im Internet: „Tesla investiert mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Quartal, um das bestehende Geschäft aufrechtzuerhalten und die Produktion seines problembehafteten Modells 3 zu beschleunigen. Für ein Unternehmen, das nur drei Autos baut, ist das besorgniserregend. General Motors gibt auch jedes Quartal eine Milliarde aus – der größte US-Autohersteller produziert aber Dutzende verschiedener Fahrzeuge weltweit und verkauft fast 10 Millionen Autos und Lastwagen.“ Fazit: „Vom 'Return-on-Investment' her ist Tesla eine Katastrophe, General Motors das Gegenteil.“

Die Anleger scheinen sich zumindest vorerst davon nicht beeindrucken zu lassen, obwohl der Kurs jüngst etwas in die Knie ging. Doch Musk wird im Silicon Valley immer noch wie ein Götterbote verehrt. An der Börse entspricht sein Unternehmen einem Wert von rund 53 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Ford hat dort einen Wert von 48 Milliarden Dollar.

Doch allmählich dreht sich der Wind. Der amerikanische Hedgefonds-Manager Mark Spiegel zum Beispiel lässt an Tesla kein gutes Haar: „Das Kursziel der Tesla-Aktie liegt bei Null. Die Pleite des Unternehmens ist nur mehr eine Frage der Zeit.“ Der Porsche-Fahrer erklärt auch warum: „Sobald die etablierten Automobil-Weltmarktführer ernsthaft in den Markt der Elektrofahrzeuge einsteigen, wird sich Tesla starker Konkurrenz gegenüber sehen, die auch noch finanziell besser aufgestellt ist, denn sie kann ihr Elektroautogeschäft quersubventionieren. Tesla hingegen macht heute bereits ohne starke Konkurrenzsituation Verluste.“

Ins gleiche Horn stößt auch der 85-jährige Bob Lutz, intimer Kenner der Automobilindustrie sowohl in der Alten als auch der Neuen Welt und am Ende seiner Karriere Chef bei General Motors in Detroit. In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender MSNBC sagte er: „Tesla bekommt ein Problem: Die Exklusivität ist durch zukünftige 500-Kilometer-Autos von Porsche, Daimler und VW bald Vergangenheit. Wenn BMW den 3er mit Batterien anbietet, ist das ein weiterer Nagel im Tesla-Sarg. GM, Hyundai, Kia und Nissan werden die Preise für Elektroautos diktieren und Tesla wird daran zerbrechen. In ein bis zwei Jahren ist Tesla ein Elektroauto-Anbieter von vielen. Die Pleite ist unvermeidlich.“

Auf die Frage, warum Tesla trotzdem so beliebt sei, meinte Autolegende Lutz trocken: „Die Leute haben eben alle eine kleine blaue Pille geschluckt.“ Elon Musk sei für viele Menschen zu einer „gottähnlichen Figur“ geworden wie zuvor für sie der Apple-Gründer Steve Jobs.

ampnet/red

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#Tesla #Verlust #Unternehmen



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