Als Onlinemagazin erfreuen wir uns einer größer werdenden Leserschaft. Dass wir die Print-Magazine schon lange hinter uns gelassen haben, ist uns bewusst. Kaufentscheidungen werden insbesondere im Autobereich schon länger im Web getroffen, die anderen Bereiche haben aber auch schon nachgezogen - vor vielen Jahren, um genau zu sein.
Die Medien- und Werbebranche in Österreich pflegt noch eine andere Sicht auf die Dinge. Da nutzt man eine Auflagenkontrolle, um große Zahlen zu zeigen und eine Befragung der Leser, um die Zahlen noch größer zu machen. Ist der Stempel drauf, wird nicht hinterfragt.
Dass der News-Verlag nun bekannt geben musste, falsche Zahlen gemeldet und veröffentlicht zu haben, macht neugierig auf die 'korrekten' Auflagen. Nehmen wir unseren Mitbewerb 'Auto Revue' her, so zeigen die korrigierten Zahlen (Standard 1.3.2012) nun folgende Werte: 45.294 Exemplare inkl. 'Großverkauf', realer Einzelverkauf ist 11.549 Exemplare (2. Halbjahr 2011, wieder 6% weniger Käufer zum Vorjahr).
Dass die Zahlen stark korrigiert werden mussten, macht uns dabei weniger Gedanken - das müssen die Werbekunden tun, die schließlich auf anderer Basis gebucht haben. Oder ein Staatsanwalt, wenn er Betrug vermuten sollte. Mehr verwundert uns, dass die Bedeutung von Printmedien so dermaßen überschätzt und mit 'glaubwürdigen' Zahlen untermauert wird. Schließlich meldet eben diese Publikation 5% Reichweite und 356.000 Leser (MA-Befragung 10/11). Selbst nach den unveränderten Druckauflagen wären das fünfeinhalb Leser pro Exemplar. Rechnet man nur die bewusst-aktiven Käufer (die anderen erhalten das Magazin ja mit entsprechend weniger Absicht) aus der Trafik um, findet jedes gedruckte Heft über 30 Leser? Und selbst 'Leser' ist bei Abfrage von Titeln fragwürdig. Die Nutzung von Einzelseiten im Inneren wird ein geringer Bruchteil der Gesamtzahl sein - die angegebene Reichweite gilt also eher für die Titelseite.
Stellen wir demgegenüber Zahlen aus dem Internet zum Vergleich, wird es spannend. Wir bei Auto.At haben aktuell zwischen 150 und 200.000 Unique Clients im Monat auf den Seiten. Das sind eindeutig identifizierbare Geräte. Nehmen wir (sehr hoch gegriffen) selbst noch die Hälfte davon weg, weil wir irrtümliche Zugriffe (?), Leser mit zwei Geräten und ähnliche Fehler korrigieren wollen, wäre das immer noch deutlich mehr als die Druckauflage und ein hohes Vielfaches der Verkaufsauflage.
Nehmen wir nun das Interesse der Branche und der Werbekunden zum Vergleich, müsste dieses wesentlich größer als bei den Print-Kollegen sein. In Realität ist es darunter - weit darunter. Aber vielleicht bringen die korrigierten Zahlen nicht nur peinliche Blicke auf eine verquere Zahlenwelt der Offliner, sondern auch ein wenig Umdenken in den Wertigkeiten der modernen Medienlandschaft. In anderen Ländern ist das schließlich auch schon längst passiert.