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Aktuell  19.11.2022 (Archiv)

Tempo 100 auf der Autobahn bringt nichts

Und wieder einmal Fakten und Mathematik gegen sinnleeren grünen Populismus. Die Fixierung auf Tempo 100 bei Grün-Terroristen und Klima-Aktivisten zielt jedenfalls in die falsche Richtung.

Wir haben schon einige Artikel präsentiert, die viele Grundlagen abdecken und Zahlen aus Studien unverdächtiger Quelle als Beleg zusammengetragen haben. Einige der (unten verlinkten) Erkenntnisse daraus sollten eigentlich reichen:

  • Der Verkehr/Transport insgesamt ist eine nette Größe, der Straßenverkehr daraus schon nicht mehr und selbst davon ist nur ein Bruchteil der 'böse' PKW-Verkehr, von dem wiederum nur ein Teil wirklich 'privat' ist. Sich auf den zu fixieren, statt die wirklich relevanten CO2-Quellen (etwa Ernährung, Landwirtschaft, Heizung, Industrie) anzugehen, zeugt von Realitätsverweigerung.
  • Sich nur der Elektromobilität auszuliefern bedeutet hohe Umrüstkosten (am CO2-Konto) und noch größere/schwerere Fahrzeuge auf der Straße. Soetwas kann man nur mit Klientelpolitik erklären, nicht aber mit Umwelt- und Klimapolitik.
  • Tempo 80/100 bringt nur auf dem Papier der Physiker Vorteile, in realen Bedingungen kommen Tests auf ein bis zwei Prozent Einsparung - das ist nicht der Rede wert.


OK, das ist also bereits abgehandelt. Heute kommen noch ein paar Fakten, Rechnungen und Folgerungen dazu. Beginnen wir bei der Grundannahme, dass man durch Reduktion der Geschwindigkeit die optimalen Einsparungen holen kann. Die Annahme ist, dass Luftwiderstand entsprechend ansteigt und die notwendige Kraft, die der Motor einsetzen muss, genauso - und damit der Verbrauch. Die exponentiale Kurve haben wir nicht erst seit der Pandemie im Kopf.

Luftwiderstand und Geschwindigkeit

Sie basiert auf der Fläche, die gegen den Fahrtwind drückt und einem Luftwiderstandsbeiwert, der CW-Wert-Konstante, die je nach Fahrzeug unterschiedlich ist. Diese Kurve beginnt sehr flach, der Luftwiderstand ist bis 60 oder 70 km/h kaum relevant für den Spritverbrauch (und damit auch für den CO2-Ausstoß). Danach steigt sie an, ein typischer Golf braucht (mathematisch berechnet) etwa 500 Newton, um 100 km/h zu halten. Für 130 km/h braucht er ca. 700 Newton, bei 160 km/h sind es rund 1000.

Bauform und damit CW-Wert und Angriffsfläche vorne sind da allerdings relevanter als die Geschwindigkeit! So braucht ein kleiner Sportwagen bei 130 km/h weniger Kraft gegen den Wind als der Kompaktwagen oberhalb bei 100 km/h. Und ein Minivan oder Kleinst-Transporter, wie man ihn in der Stadt sieht, ist bei 100 km/h bereits dort, wo der Sportwagen erst bei 140 km/h landet. Es wäre demnach schon sinnvoller, Sportwagen für alle zu fordern, als eine Temporeduktion.

Klar ist hier jedoch auch, dass die durch die Elektromobilität erforderliche hohe Bauform (Stromer sind deshalb meist SUVs, weil der Akku im Boden Platz haben muss) kontraproduktiv ist. Denn auch der Strom ist nicht 'gratis' in der Umweltbilanz. Und ja, auch das ist eine Erklärung für die dahinschleichenden Elektroautos auf der Autobahn, die ihre Kraft gegen den Wind teuer mit Reichweite erkaufen müssen.

PS und Verbrauch

Dann ist da noch die Geschichte der zu starken Motoren. Was bei eAutos ohnehin nicht gilt (dort schaffen PS ja auch die gute Rekuperation), ist auch bei Benzin und Diesel überschätzt. Hier sind mittlerweile eher die schwereren Autos mit höherer Motorisierung Grund für dessen Mehrverbrauch, nicht die höhere Motorisierung per se.

Im Durchschnitt aller Autos (Spritmonitor aus Deutschland sei Dank gibt es Realzahlen) sind etwa die Verbräuche bei 120 PS (7,2 Diesel, 8,7l Benzin), 160 PS (8,3l/9,2l), 200 PS (8,3l/10,5l) oder 240 PS (9,8l/10,8l) sehr nahe beieinander. Dass letztere eher bei den großen CW-Werten zustandekommen, macht den Zusammenhang endgültig zunichte.

Geschwindigkeit und Verbrauch

Aus dem Spritmonitor kann man aus Echtdaten auch ablesen, welche Autos mit welcher Geschwindigkeit die besten Verbrauchswerte auf der Straße real schaffen - und da liegen die sparsamsten Werte weit über 100 km/h. Die würden mit einer Reduktion der Autobahn-Tempolimits also sogar steigen!

Hier einen Zusammenhang aus der Luftwiderstandsformel zu ziehen, ist daher nicht so einfach möglich. Der reale Verbrauch wird viel schneller dadurch gesteigert, dass man etwa in Österreich gerne die 100er-Zone bergab beginnt (also Energie durch Bremsen vernichtet, statt gleiten zu ermöglichen) und entsprechend in der Gegenrichtung in der Steigung das Beschleunigen einleitet. Da wäre das Ergebnis ohne Tempo 100-Zone deutlich besser.

Ausserdem ist die Kurve der notwendigen Kraft gegen den Fahrtwind gar nicht richtig, denn sie berücksichtigt nicht die Gänge, in denen der Motor die Kraft überträgt. Durch die recht geringe Elastizität insbesondere bei Benzinern ist der Motor nur in einem eingeschränkten Drehzahlbereich effizient und sparsam. Und die Schaltpunkte definieren, bei welcher Geschwindigkeit wenig Sprit verbraucht wird.

Aus den realen Werten einer kleinen Diesel-Limousine ergeben sich etwa Verbrauchswerte von 10l auf 100 km bei 30km/h, die man mit dem dritten oder vierten Gang fahren kann. Bei 50 km/h sind es nur noch 8l auf 100 km/h (ein flüssiges Fahren in der Stadt ist also mit 50 km/h besser als mit 30 km/h!), bei 60 km/h, die man bereits im 5. Gang fahren kann, sind es schon unter 6 Liter Verbrauch. 100 km/h liegen dann immer noch bei rund 6 Litern, 130 km/h bei 7 bis 8 Litern. Größere Modelle würden hier schon in den 6. Gang schalten und wieder deutlich weniger verbrauchen können.

Das Optimierungspotential schöpft man hier nicht durch die Reduktion der Geschwindigkeit, sondern der richtigen Gangwahl (sparen durch möglichst niedrige Drehzahl). So kann dieser Wagen bei Tempo 100 mit 6 Litern gefahren werden (5. Gang) oder mit 11 Litern (4. Gang).

Und das alles sind nur einige der relevanten Faktoren für die reale Belastung, vermutlich aber jene, die den größten Einfluss auf das Ergebnis haben. Das Schielen auf die Kurve des Luftwiderstands bringt uns jedenfalls nicht weiter, die Autohasser nutzen diese nur dafür, das wahre Ziel anzustreben: Die Kurve hört nämlich auch bei Tempo 100 nicht auf, zu fallen. Diese Menschen geben erst auf, wenn der Nullpunkt erreicht ist, auch wenn das gar nicht sinnvoll ist.

Foto: Löffler/Adobe Stock

Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie hier!

#Tempo #Autobahn #Umwelt #Klima #Klimaschutz #Sprit #Verbrauch #Diesel #Benzin



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