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Test Drive  24.07.2019 (Archiv)

Maserati Levante SQ4 Gran Sport im Test

Levante, zu Deutsch: 'erhöhen'. So nennt Maserati sein Luxus-SUV, das nicht nur per Luftfahrwerk hochgehoben und herabgesenkt werden kann, sondern auch den Status des Reisenden zu neuen Höhen auflaufen lässt.

Maserati bietet mit dem Levante die wohl eleganteste Art in einem SUV Platz zu nehmen. So verzerrt die geschwungene, geduckte Seitenlinie das Bild des klotzigen Großstadtgeländewagens zum Gran Turismo. Das sorgt auch im tiefgelegten Sportmodus noch für Aufsehen bei der täglichen Fahrt vom Büro ins Anwesen.

Mit einer Sinfonie für fein abgestimmte Fanfaren mit Paukenschlägen tönt der 430 PS starke Ferrari-Biturbo aus dem Heck des Levante. So viel Leidenschaft wirkt im Segment schon schwärmerisch. Im Turiner Mirafiori-Werk sieht die Welt einfach anders aus. Ein Kind der italienischen Automobiltradition bleibt so auch der Levante: Mit seinem weit aufgerissenen Raubfischmaul, hinter dem sich automatisch gesteuerte Lüftungsklappen je nach Bedarf öffnen und schließen, beansprucht der Levante die Vorherrschaft auf der Straße. Die Dreizack-Wappen beweisen, dass für die Italiener eine Krone keine Kunst ist. So sind auch die traditionellen Kiemen in den vorderen Kotflügeln Zitate der sportlichen Maserati-Designhistorie. Vornehm, maskulin, tiefsinnig – so könnte man die Linie beschreiben, die den Levante wie seine Brüder Quattroporte und Ghibli definiert.



Am Heck wacht mancher aus der schön geträumten Fantasiewelt auf und erkennt, dass auch die italienische Designschmiede nicht ungebremst komponiert. Ähnlichkeiten zur Klassenkonkurrenz, besonders dem Porsche Cayenne, lassen sich aus Sicht des Hintermanns nicht verleugnen. Um die Kundschaft für sich zu gewinnen, will man sie wohl nicht zu sehr mit Neuheiten schockieren. Bei den Assistenzsystemen hingegen gelingt dies im Handumdrehen, denn die Aufpreise für Systeme, die bei hoch motorisierten Klassenkonkurrenten oft zur Serienausstattung gehören, haben es in sich.

Doch worauf es bei einem Fahrzeug wie dem Levante ankommt, ist der Fahrspaß. Der wird durch einen 3,0-Liter-V6-Biturbo von Ferrari garantiert, der dem hohen Ross mit 430 Pferdchen zu großen Sprüngen verhilft und wie wild nach Drehzahlen giert. Bei 5750 Umdrehungen in der Minute (U/min) liegt die maximale Leistung an, das maximale Drehmoment von 580 Newtonmetern entfaltet sich zwischen 4500 und 5000 U/min. Die Motorisierung schiebt den über zwei Tonnen schweren Italiener in 5,2 Sekunden auf Tempo 100 km/h. Maximal stehen 264 km/h auf der analogen Geschwindigkeitsanzeige.

Technisch bringt der Levante SQ4 sportliche Gene in den Pool. Mit dem adaptiven Luftfahrwerk nivelliert sich die Karosserie je nach Fahrprogramm und gibt im Sportmodus direkte Rückmeldung an den Fahrer. Beim Lenkgefühl herrscht Klarheit und die Kurvengeschwindigkeiten des hohen Rosses sind beachtlich. Dabei halten die Reifen stets Kontakt zum Untergrund und werden durch ein intelligentes Allradsystem bedarfsgerecht mit Moment gefüttert. Regulär konzentriert sich der Antrieb auf die Hinterachse und kann bis zu einem Verhältnis von 50/50 auf die vorderen Räder übertragen werden. So kommt Schlupf gar nicht erst zustande.

Allerdings sollte das Anker werfen geübt sein, denn auch die gelochten Scheiben mit Festkolbenbremssätteln – so gut sie auch ansprechen – können das Leergewicht von über 2,1 Tonnen nicht immer im Zaum halten. Die Fahreigenschaften lassen schnell vergessen, dass man sich in einem über fünf Meter langen SUV befindet. Das spricht für Maseratis dynamische Abstimmung, die aber auch einen exorbitant hohen Verbrauch zur Folge hat. Beim Streicheln des Gaspedals stehen bereits knapp 15 Liter auf der Uhr. Nimmt man sich den Ferrari-Motor richtig zur Brust, sind 20 Liter und mehr keine Seltenheit. Mit diesen finanziellen Belastungen muss man als Maserati-Besitzer einfach umgehen können. Bei rund 90.000 Euro Grundpreis trifft es sicher keinen Bettler.



Der Innenraum des Levante verbindet die Stärken von Ghibli und Quattroporte zu einer erhabenen Kabine. Die Sitze mit abgestepptem Leder im verspielt-edlen Design sprechen eine klare Sprache: Hier nimmt der Chef Platz. Mit Dreizack-Wappen auf den Kopfstützen spielt Prestige nämlich auch hinter der Doppelverglasung rahmenloser Türen eine Rolle; und das Gestühl ist auch beim Komfort ein Primus. Das Armaturenbrett wurde in Häute gekleidet und mit Ziernähten neu definiert. Da tanzt der Kunststoffrahmen um das Infotainment-System aus der Reihe. Auch die Mittelkonsole bietet in Klavierlack zu wenig optische Qualität für ein Auto dieser Preisklasse. „Ohne Holz nichts los“, könnte man sagen. Wenn Maserati hier doch bloß andere Punkte auf der Bestellliste angekreuzt hätte, die die Italiener äußerst delikat in brillianten Farben präsentieren können. Von der Schönheit abgesehen ist das Platzieren von Smartphone und Co. im Levante eine kleine Aufgabe, eine politische Frage, die sich bei jedem Einstieg neu stellt. Das Ablagenkonzept mit der ausziehbaren Handy-Schublade ist da keine Hilfe.

Die Mittelkonsole ist um den Schaltrahmen klar angeordnet, eine Knopfflut gibt es bei Maserati nicht, dafür eine Klimaanlage die in der Tiefe nur über den Touchscreen steuerbar ist. Das macht die Bedienung zwar optisch reizvoller, aber nicht leichter. Die Lenkradtasten und der Tacho hingegen sind einfach zu erlernen, auch Assistenzsysteme können in der Tiefe leicht verstellt werden.

Leider sind Systeme wie der aufpreispflichtige Highway-Assist kein technisches Feuerwerk. Der Spurhalteassistent funktioniert ausschließlich auf Autobahnen und Bundesstraßen, die Linien müssen einwandfrei erkennbar sein. Doch selbst dann quittiert das System zwischenzeitig seinen Dienst mit Verweis auf zu hohe Geschwindigkeit – unabhängig davon wie viele Meter pro Sekunde der Boss-Tross gerade zurücklegt. 7980 Euro Aufpreis auf den Basispreis sind für diese Behelfslösung mehr als eine Frechheit. Eleganter wäre es da noch gewesen, sich von Assistenzsystemen offen zu distanzieren und sie gar nicht erst anzubieten. Das muss eine Sportwagenschmiede nicht bieten können.

Wer dem Levante die Steine verzeiht, die er dem Käufer in den Weg legt, wird dafür mit einem italienischen Lebensgefühl belohnt. Nüchtern gesehen sind die Konkurrenten aus München oder Stuttgart nicht schlechter, in vielem sogar besser. Auch Jaguar hat jüngst mit dem F-Pace bewiesen, dass die britische Interpretation von Luxus-SUVs viel zu bieten hat und nicht viel kosten muss. So liest sich die Ausstattungsliste des F-Pace SVR im Vergleich zum Levante wie ein Aufsatz; auch der Preis für 550 V8-Kompressor-PS erscheint mit über 100.000 Euro wie geschenkt. Aber die Raubkatze aus Großbritannien kann keinen direkten Ersatz bieten. Das liegt hauptsächlich am weniger verspielten Design und der Namenshierarchie.

So ist der Käufer des Levante SQ4 auch jemand, der vor seiner Leidenschaft kapituliert hat. Jemand, dem Emotionen wichtiger sind als nackte Fakten und Zahlen. Und damit es nicht ganz so schmerzt, gibt es den Dreizack ja auch als günstigere Diesel-Variante. Dass die zwei Tenöre in den Auspuffrohren dann nur digital zum Tanz auffordern, ist zu verschmerzen. Im eigenen Traumauto statt in der nächsten SUV-Modellpflege aus Deutschland zu sitzen, fordert einfach Verzicht auf der Vernunftebene.

ampnet/red

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#Maserati #SUV #Test



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