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Test Drive  05.07.2010 (Archiv)

Daihatsu Copen im Test

Daihatsu bezeichnet sich selbst gern als Kleinwagenspezialist. Absolut speziell ist vor allem ein Modell: der Copen. Das nur 3,40 lange und 1,25 Meter hohe Cabrio steht im A-Segment konkurrenzlos dar und ist nach wie vor eine echte Ausnahmeerscheinung.

Das gilt nicht nur für die Abmessungen, sondern auch und vor allem für den Fahrspaß. Den kann allerdings nicht jeder ungetrübt genießen. Empfindlichere Naturen können den Motor als zu laut, den Einstieg als zu unbequem und die Platzverhältnisse als zu beengt empfinden. Wer Probleme mit dem Rücken hat, der dürfte auch keinerlei Gefallen an der extrem straffen Federung finden.

Das Design des Daihatsu sticht ebenfalls aus der Masse hervor: Front und Heck sind fromal nahezu gleich gehalten und wirken auch bei der Gestaltung der Scheinwerfer und Rückleuchten wie gespiegelt. Lediglich der große Heckspoiler stört die Symmetrie. Das Kunstwort Copen steht für kompakt (compacct) und offen. Kompakter kann ein Cabrio wirklich nicht sein. An Klaustrophobie darf der Fahrer nicht leiden. Es geht eng zu. Da müssen selbst die Kofferraum- und die Tankklappenentriegelung ins Fach unter der kleinen abschließbaren Mittelarmlehne verschwinden.

Wer die knappen Platzverhältnisse sportlich nimmt, der fühlt sich fast schon vom kleinen Daihatsu umhüllt. Der Einstieg erfordert aber ein kleines Maß an Gelenkigkeit. Dafür herrscht innen echte Sportwagenatmosphäre. Der zentrale Tacho wird von zwei weiteren angeschnittenen Rundinstrumenten flankiert, die links den Drehzahlmesser und rechts die Tank- sowie die Temperaturanzeige beherbergen. Die Cockpitverkleidung täuscht auf angenehme Weise weiches genarbtes Leder vor, besteht aber aus reinem Hartplastik. Zwei kleine Netztaschen in den Türinnenseiten und eine hinter den beheizbaren Ledersitzen sowie das Fach zwischen Fahrer und Beifahrer müssen als Ablagen reichen. Immerhin passt bei geschlossenem Dach sogar eine Getränkekiste in den 200 Liter großen Kofferraum. Wer offen fährt, der kann im Heck allerdings nur noch den Kulturbeutel, den Fotoapparat und ein paar Schuhe verstauen, denn mehr als 14 Liter Fassungsvermögen bleiben nicht über. Ohnehin sind auf nur 190 Kilogramm Zuladung Rücksicht zu nehmen.

  Daihatsu Copen  1/5 weiter...


Das Blech-Klappdach öffnet sich auf Knopfdruck, nachdem die beiden Schnappverschlüsse innen am Scheibenrahmen gelöst worden sind. Das alles geht einfach von der Hand. Zwischen wieder geschlossener Heckklappe und Fahrgastzelle klafft anschließend allerdings eine Lücke. Damit der Verdeckmechanismus nicht durch äußere Einflüsse in Mitleidenschaft gezogen wird, muss der Fahrer noch eine schwarze Kunststoffabdeckung dazwischen stecken, die im Kofferraum mitgeführt wird. Das ist etwas umständlich und ein wenig fummelig und der einzige kleine Wermutstropfen vor dem Frischluftvergnügen. Dank Windschott zwischen den Kopfstützen bleibt der Innenraum bei hochgefahrenen Seitenscheiben zugfrei und der Wind streicht leicht durchs Haar.

Das Leder-Lenkrad von Momo liegt gut in der Hand und ist nicht so klein wie der Rest des Autos. Die Schaltung ist wie das Auto: kurz und knackig. Es gibt wohl kaum ein Auto, das mit heutzutage relativ bescheidenen 64 kW / 84 PS derartige Fahrleistungen bietet. 9,5 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h sind für den Winzling schon ein beeindruckender Wert. Verantwortlich dafür ist vor allem das geringe Gewicht, mit dem der 1,3-Liter-Motor leichtes Spiel hat. So bietet der Copen alte Roadster-Herrlichkeit: Die Landstraßen können gar nicht schmal und kurvig genug sein. Das ESP-lose Kleinst-Cabrio bietet Fahrspaß pur und driftet bei forscher Fahrweise wie ein Go-Kart ums Eck, ohne zickig zu werden. Aber auch auf der Autobahn macht der Wagen eine prima Figur und sollte bei aller Winzigkeit nicht unterschätzt werden. Bei einer angegeben Höchstgeschwindigkeit 180 km/h steht die Nadel des Drehzahlmessers auch schon ein Mal unmittelbar vor dem roten Bereich und der Tachometer bei 200 km/h.

Selbst bei Richtgeschwindigkeit und mit geschlossenem Dach zieht der Daihatsu Copen auf der Autobahn die Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer auf sich. Obwohl er schon seit einigen Jahren auf dem Markt ist, fällt er immer noch auf. Leider mittlerweile auch durch den Preis, denn der orientiert sich nicht an den knappen Abmessungen.

Der Copen steht nur noch als Top S in wahlweise roter oder beiger Leder-Innenausstattung in der Preisliste. Mit rund 19.990 Euro ist er nicht allzu weit von größeren und viersitzigen Angeboten auf dem Markt entfernt – die allerdings in Sachen Fahrspaß deutlich das Nachsehen haben dürften.

ampnet/jri

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